Glossar
Glossar
Begriffe aus den Learning Nuggets, kurz erklärt. Jede Definition stützt sich auf den verlinkten Beitrag und seine Quellen.
0–9
3-2-1-Regel
Faustregel des Bundesamts für Cybersicherheit BACS für die Datensicherung: drei Kopien der Daten (das Original und zwei Sicherungskopien), auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine an einem externen Ort. Für diese externe Kopie empfiehlt das BACS, sie offline aufzubewahren und das Medium nach dem Backup wieder zu trennen.
A
Abrufübung
Lernen durch aktives Erinnern statt durch erneutes Lesen, zum Beispiel mit kurzen Fragen oder einem Quiz zu Beginn der nächsten Lektion. In der Übersicht von Dunlosky und Kollegen (2013) erhielt das Abfragen zusammen mit verteiltem Üben die beste Bewertung, erneutes Lesen eine tiefe.
AI Fluency und die vier D
Das AI Fluency Framework von Rick Dakan und Joseph Feller, entwickelt in Zusammenarbeit mit Anthropic, versteht AI Fluency als die Fähigkeit, wirksam, effizient, ethisch und sicher mit KI zu arbeiten. Die vier D daraus sind Delegation (bewusst übergeben), Description (klar beschreiben), Discernment (kritisch prüfen) und Diligence (Verantwortung tragen).
C
Chat (KI-Chat)
Die einfachste Hülle um ein Sprachmodell: ein Eingabefeld, ein Verlauf, vielleicht ein paar Dateien. Man fragt, das Modell antwortet. ChatGPT ist zum Beispiel der Chat, das Modell darin heisst GPT. Viele Chats können heute auch im Web suchen und arbeiten dann schon ein Stück wie ein Agent.
CLOUD Act
US-Gesetz, im März 2018 unterzeichnet. Danach müssen Anbieter bei Ermittlungen der Strafverfolgung Daten herausgeben, die sie besitzen, verwahren oder kontrollieren, unabhängig davon, ob die Daten in den USA oder im Ausland liegen. Für die Frage, wer auf Daten zugreifen kann, zählt deshalb neben dem Speicherort auch der Sitz des Anbieters.
D
Daten-Ampel
Didaktische Vereinfachung für die Frage, welche Daten Lehrpersonen und Kursleitende in KI-Tools eingeben: Grün für öffentliches und eigenes Unterrichtsmaterial, Gelb für interne Inhalte ohne Personenbezug, Rot für Personendaten von Lernenden. Sie ersetzt nicht die Vorgaben des Kantons oder der Schule.
Digitale Souveränität
Der Bundesrat beschreibt sie in seinem Bericht vom November 2025 als «die erforderliche Kontroll- und Handlungsfähigkeit des Staates im digitalen Raum» und hält fest, dass der Begriff unterschiedlich verstanden wird. Der Beitrag beschreibt sie als Skala statt als Schalter, mit vier Reglern: Daten, Software, Infrastruktur und Kompetenz.
E
E-ID
Staatlicher elektronischer Ausweis der Schweiz in der App swiyu, freiwillig und kostenlos. Die Daten liegen nur auf dem eigenen Smartphone, weitergegeben wird nur, was nötig ist. Ursprünglich war der Start für Ende 2026 geplant. Laut Bundesamt für Justiz steht die Vertrauensinfrastruktur voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 bereit; ein genaues Startdatum für die E-ID selbst war beim Stand des Beitrags (1. Oktober 2026) offen.
Embedding
Ein Zahlencode für die Bedeutung eines Textstücks, berechnet von einem eigenen neuronalen Modell, dem Embedding-Modell. Bei RAG bekommen jeder Schnipsel und auch die Frage ein Embedding; gesucht werden die Schnipsel mit dem ähnlichsten Code. Das Embedding-Modell formuliert selbst keine Antworten.
G
Gemischtes Üben (Interleaving)
Üben, bei dem verschiedene Aufgabentypen durcheinander statt nacheinander in Blöcken kommen. In einer Studie von Rohrer und Taylor (2007) löste die gemischte Gruppe eine Woche später 63 Prozent der Testaufgaben richtig, die geblockte 20 Prozent, obwohl diese beim Üben vorne lag. Es fühlt sich schwerer an, weil man bei jeder Aufgabe zuerst erkennen muss, welches Verfahren passt.
H
Halluzination (KI)
Eine flüssig formulierte, aber falsche Antwort eines Sprachmodells, etwa eine erfundene Quelle oder ein Zitat, das nie gesagt wurde. Sie entsteht, weil ein Sprachmodell Wort für Wort das wahrscheinlichste nächste Wort berechnet, auch wenn es etwas nicht weiss. Laut OpenAI (2025) trägt zudem eine Bewertung bei, die Raten belohnt und Zurückhaltung bestraft.
K
KI-Agent
Eine Hülle, die einem Sprachmodell ein Ziel und Werkzeuge gibt, etwa Websuche, Dateien oder Programme, und es in einer Schleife planen, handeln und prüfen lässt, bis die Aufgabe erledigt ist. Anthropic beschreibt Agenten als Systeme, in denen das Modell seinen Ablauf und den Einsatz von Werkzeugen selbst steuert, und nennt höhere Kosten und sich aufschaukelnde Fehler als Kehrseite.
KI-Detektor
Software, die erkennen soll, ob ein Text von einer KI stammt. Eine Forschungsgruppe um Weber-Wulff testete 2023 vierzehn solche Werkzeuge und fand sie weder genau noch zuverlässig; englische Texte von Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben, werden laut Liang und Kollegen besonders häufig als KI markiert. Ein Detektor-Ergebnis ist deshalb kein Beweis.
KI-robuste Aufgabe
Eine Aufgabe, die auch dann eigenes Denken verlangt, wenn eine KI in Reichweite ist. Der Beitrag nennt vier Bausteine: Prozess statt Produkt bewerten, lokaler Bezug, mündliche Verteidigung und KI-Output kritisieren lassen. KI-robust heisst nicht KI-frei.
Kognitive Belastung (Cognitive Load)
Die Cognitive Load Theory geht auf John Sweller zurück. Ihr Kern: Das Arbeitsgedächtnis ist eng begrenzt, und was wir neu verstehen wollen, muss durch dieses Nadelöhr. Wer zuhört und gleichzeitig eine volle Folie liest, erzeugt laut Mayer und Moreno (2003) eine zusätzliche, unnötige Belastung.
Kohärenzprinzip
Gestaltungsregel von Richard Mayer für multimediales Lernen: Alles, was nicht zum Lernziel beiträgt, lenkt ab. Überflüssiges Material wird deshalb weggelassen.
Kontextfenster
Alles, was ein Sprachmodell beim Antworten berücksichtigen kann, eine Art Arbeitsgedächtnis. Aktuelle Claude-Modelle fassen laut Anthropic eine Million Tokens, hochgerechnet rund 2500 Seiten. Mehr ist nicht automatisch besser: Je voller das Fenster, desto eher übersieht ein Modell Details («context rot»).
L
Large Language Model (LLM)
Eine Art KI-Modell, die mit sehr viel Text trainiert wurde und Stück für Stück, genau genommen Token für Token, voraussagt, wie ein Text weitergeht. GPT, Claude, Gemini und das Schweizer Apertus sind solche Sprachmodelle.
Lerntypen (Lernstile)
Die Vorstellung, dass Menschen visuell, auditiv oder kinästhetisch lernen und besser lernen, wenn der Unterricht zu ihrem Typ passt. Pashler und Kollegen fanden 2008 nach einer Prüfung der Studienlage dafür keine ausreichende Evidenz. Vorlieben gibt es, aber eine Vorliebe heisst nicht, dass man so besser lernt.
Lock-in
Abhängigkeit von einem Anbieter, aus der ein Wechsel aufwendig wird. Der Beitrag beschreibt sie als vereinfachten Ablauf in drei Akten: Einstieg (das Tool ist kostenlos und schnell eingerichtet), Gewöhnung (Unterlagen und Abläufe stecken im Tool) und Abhängigkeit (der Anbieter bestimmt die Bedingungen). Lock-in entsteht selten mit Absicht.
M
Modell (KI-Modell)
Das Ergebnis des Trainings: eine riesige Datei mit Milliarden von Zahlen, den Parametern. Das Schweizer Sprachmodell Apertus gibt es zum Beispiel mit 8 und mit 70 Milliarden Parametern. Allein tut ein Modell nichts; genutzt wird es über eine Hülle wie einen Chat oder einen Agenten.
O
Online-Lernen
Sammelbegriff für sehr verschiedene Formate: eine Live-Lektion per Videokonferenz, ein Präsenzlehrgang mit digitaler Lernplattform oder ein Lernpfad, den man allein durcharbeitet. Der Beitrag beschreibt Lernangebote deshalb nicht nach dem Ort, sondern entlang von drei Dimensionen: Flexibilität, Führung und Verbindlichkeit sowie Selbstregulation.
P
privatim
Die Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten; dazu gehören die kantonalen Beauftragten, der EDÖB und mehrere Städte. In einer Resolution vom 18. November 2025 hält sie fest, dass es in den meisten Fällen unzulässig ist, wenn öffentliche Organe besonders schützenswerte oder geheimhaltungspflichtige Personendaten in Cloud-Software grosser internationaler Anbieter auslagern, ausser die Behörde verschlüsselt selbst und der Anbieter hat keinen Zugang zum Schlüssel. Schulen nennt die Resolution nicht ausdrücklich; öffentliche Schulen gehören als öffentliche Organe dazu. Die Resolution ist eine Einschätzung der Aufsichtsbehörden, kein Gesetz.
R
RAG (Retrieval Augmented Generation)
Verfahren, bei dem eine Suche zuerst passende Schnipsel aus Dokumenten heraussucht und ein Sprachmodell daraus die Antwort formuliert; beschrieben von Lewis und Kollegen (2020). Das Modell sieht nur die ausgewählten Schnipsel, nicht die ganzen Dokumente. Dafür ist RAG günstig, schnell und kann zeigen, woher eine Antwort stammt.
Ransomware
Schadsoftware, die Daten verschlüsselt (Verschlüsselungsschadsoftware). Laut BACS schützen Cloud-Dienste nur bedingt davor, und auch dauerhaft angeschlossene Speichermedien können mitverschlüsselt werden. Was nicht angeschlossen ist, kann eine Schadsoftware nicht erreichen; deshalb gehört eine Sicherungskopie offline.
Redundanzprinzip
Gestaltungsregel von Richard Mayer: Menschen lernen besser aus Bild und gesprochenem Wort als aus Bild, gesprochenem Wort und demselben Text auf dem Bildschirm. Für Präsentationen heisst das: Text, der nur wiederholt, was ohnehin gesagt wird, hilft nicht, sondern stört.
S
Selbstregulation
Wie viel Planung und Durchhaltevermögen ein Lernmodell von den Lernenden verlangt. Mehr Flexibilität verschiebt Verantwortung zu den Lernenden; eine Übersichtsarbeit von Broadbent und Poon (2015) zeigt, dass Selbstregulationsstrategien wie Zeitmanagement beim Online-Lernen mit dem Lernerfolg zusammenhängen.
Speicherort und Rechtsraum
Zwei Fragen bei Daten in der Cloud: Der Speicherort sagt, wo die Server physisch stehen, der Rechtsraum, welchem Recht das Unternehmen untersteht, das den Dienst betreibt. Beides kann auseinanderfallen, etwa wenn ein Rechenzentrum in Zürich von einem Konzern mit Sitz in den USA betrieben wird.
swiyu
Die App des Bundes für die E-ID. Die E-ID ist der erste Ausweis auf dieser Infrastruktur; dieselbe Technik soll auch andere Nachweise tragen, darunter Bildungsnachweise. Eine öffentliche Testversion lässt sich bereits ausprobieren.
Synchronisation und Backup
Eine Synchronisation hält alle Geräte auf demselben Stand, ein Backup ist eine eigenständige Sicherungskopie. Wird eine Datei gelöscht oder von Schadsoftware verschlüsselt, kann die Synchronisation diesen Zustand in die Cloud und auf alle Geräte übertragen. Eine Versionierung hilft teilweise, ersetzt eine eigenständige Sicherung aber nicht.
T
Token
Die Stücke, in die ein Sprachmodell Text zerlegt: Wörter, Wortteile oder Satzzeichen. In Tokens wird auch die Grösse des Kontextfensters gemessen. Laut Anthropic entsprechen 200'000 Tokens etwa 500 Seiten; deutsche Texte brauchen etwas mehr Tokens pro Wort.
V
Vektordatenbank
Eine Datenbank, die Embeddings speichert und zu einer Frage die Einträge mit dem ähnlichsten Zahlencode findet. Bei RAG liefert sie die Handvoll Schnipsel, die das Sprachmodell zu sehen bekommt.
Vergessenskurve
Von Hermann Ebbinghaus 1885 im Selbstversuch mit sinnlosen Silben gemessener Verlauf des Vergessens: Die Kurve fällt am Anfang steil ab und flacht dann ab. Murre und Dros fanden 2015 in einer Wiederholung des Versuchs ähnliche Ergebnisse. Jede Wiederholung zieht die Kurve wieder hoch, danach fällt sie flacher ab.
Verteiltes Üben
Wiederholung, die über Tage und Wochen verteilt wird, statt alles an einem Tag zu lernen. In der Übersicht von Dunlosky und Kollegen (2013) erhielt verteiltes Üben zusammen mit dem Abfragen die beste Bewertung unter verbreiteten Lerntechniken.
Ausgewählte Begriffe gibt es auch auf Englisch. Glossary in English