«Fasse den Text zusammen und beantworte die Fragen.» Diese Hausaufgabe löst eine KI in wenigen Sekunden.
Der erste Reflex ist ein Verbot. Das ist verständlich. Nur lässt sich kaum kontrollieren, was zu Hause entsteht. Verbieten bringt wenig. Umbauen schon.
Das Problem ist die Aufgabe, nicht das Werkzeug
Eine Aufgabe, die nur ein fertiges Produkt verlangt, prüft am Ende vor allem, ob ein Text abgegeben wurde. Wer ihn geschrieben hat, sieht man ihm nicht an.
KI-robust heisst deshalb nicht, KI auszusperren. Es heisst, Aufgaben so zu stellen, dass eigenes Verstehen sichtbar wird.

Vier Bausteine
1. Prozess statt Produkt. Bewertet werden auch Entwürfe, Zwischenstände und Notizen, nicht bloss das Ergebnis. Die ZHAW sieht das in ihrer Richtlinie zu KI bei Leistungsnachweisen ausdrücklich vor: Neben dem Endprodukt kann auch die Erarbeitungsphase bewertet werden, also eine Prozessbewertung.

2. Lokaler Bezug. Verknüpfe die Aufgabe mit deiner Klasse, eurem Ort oder einem Erlebnis aus dem Unterricht. Was letzte Woche in eurem Schulzimmer diskutiert wurde, kennt keine KI. Ganz wasserdicht ist das nicht: Wer der KI den Kontext liefert, bekommt trotzdem eine Antwort. Aber die Lernenden müssen sich dafür mit dem Erlebten auseinandersetzen.
3. Mündliche Verteidigung. Ein kurzes Gespräch zeigt schnell, ob jemand den eigenen Text versteht. Die ZHAW-Richtlinie erwähnt bewertete mündliche Zwischengespräche und Verteidigungen. Laut SRF gewinnt Mündliches an Schweizer Hochschulen an Gewicht.
4. KI-Output kritisieren lassen. Die Lernenden prüfen eine KI-Antwort, finden Fehler und verbessern sie. So wird die KI vom Abkürzungsweg zum Lerngegenstand.
Die Bausteine 1 und 3 stützt die ZHAW-Richtlinie direkt. Die Bausteine 2 und 4 sind meine eigenen Empfehlungen aus der didaktischen Praxis.
Die Beispiele stammen aus der Schule. In Weiterbildungskursen funktionieren die Bausteine genauso: Statt der Klasse ist es die Kursgruppe, statt des Schulzimmers der Kursraum oder der eigene Betrieb.
Die Hausaufgabe vom Anfang, umgebaut
- Statt einer Zusammenfassung lässt du eine KI eine Zusammenfassung erstellen und gibst sie den Lernenden mit dem Auftrag: Markiere, was fehlt, was falsch ist und was du anders gewichten würdest.
- Statt allgemeiner Fragen verlangst du einen Bezug zu eurem Unterricht: Wo widerspricht der Text dem, was ihr in der letzten Lektion besprochen habt?
- Statt nur abzugeben führst du mit einigen Lernenden ein Gespräch von wenigen Minuten über ihre Korrekturen. Die Notizen aus Schritt 1 und 2 fliessen in die Bewertung ein.
Damit stecken alle vier Bausteine in einer Aufgabe. Den Aufwand steuerst du selbst: Du entscheidest, mit wie vielen Lernenden du das Gespräch führst.
KI-robust heisst nicht KI-frei
Keiner der Bausteine verbietet die KI. Sie darf beim Recherchieren und Formulieren helfen, sie darf sogar Gegenstand der Aufgabe sein. Sichtbar bleiben muss, dass die Denkarbeit bei den Lernenden liegt.

Häufige Fragen
Wie mache ich Aufgaben KI-robust?
Mit vier Bausteinen: Prozess statt Produkt bewerten, einen lokalen Bezug herstellen, eine mündliche Verteidigung einplanen und KI-Output kritisieren lassen. So bleibt das Denken bei den Lernenden, auch wenn eine KI in Reichweite ist.
Soll man KI bei Hausaufgaben verbieten?
Ein Verbot bringt wenig, weil sich kaum kontrollieren lässt, was zu Hause entsteht. Wirksamer ist es, die Aufgabe umzubauen. KI-robust heisst nicht KI-frei.
Was empfiehlt die ZHAW zu KI bei Leistungsnachweisen?
Die ZHAW-Richtlinie nennt unter anderem die Bewertung der Erarbeitungsphase, also eine Prozessbewertung, sowie bewertete mündliche Zwischengespräche und Verteidigungen.
