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Aufgaben KI-robust machen

Verbieten bringt wenig, umbauen schon: vier Bausteine, mit denen Aufgaben auch dann eigenes Denken verlangen, wenn eine KI in Reichweite ist.

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Diese Hausaufgabe löst eine KI in wenigen Sekunden: Fasse den Text zusammen und beantworte die Fragen. Was jetzt? Verbieten bringt wenig. Umbauen schon.

Vier Bausteine machen Aufgaben KI-robust. Erstens: Prozess statt Produkt. Bewerte nicht nur das Ergebnis, sondern auch Entwürfe, Zwischenstände und Notizen. Zweitens: lokaler Bezug. Verknüpfe die Aufgabe mit eurer Klasse, eurem Ort oder einem Erlebnis aus dem Unterricht. Das kennt keine KI. Drittens: mündliche Verteidigung. Ein kurzes Gespräch zeigt schnell, ob jemand den eigenen Text versteht. Viertens: KI-Output kritisieren lassen. Die Lernenden prüfen eine KI-Antwort, finden Fehler und verbessern sie.

Hochschulen wie die ZHAW empfehlen genau das: mündliche Zwischengespräche, Verteidigung und die Bewertung des Arbeitsprozesses.

KI-robust heisst nicht KI-frei, sondern: Das Denken bleibt bei den Lernenden.

«Fasse den Text zusammen und beantworte die Fragen.» Eine solche Hausaufgabe erledigt eine KI heute in wenigen Sekunden. Naheliegend ist der Reflex, KI zu verbieten. Das ist verständlich, bringt aber wenig: Was zu Hause entsteht, lässt sich kaum kontrollieren. Mehr Wirkung hat eine andere Frage: Wie muss eine Aufgabe gebaut sein, damit das Denken trotzdem bei den Lernenden bleibt?

Das Problem ist die Aufgabe, nicht das Werkzeug

Eine Aufgabe, die nur ein fertiges Produkt verlangt, prüft am Ende vor allem, ob ein Text abgegeben wurde. Wer ihn geschrieben hat, sieht man ihm nicht an. KI-robust heisst deshalb nicht, KI auszusperren. Es heisst, Aufgaben so zu stellen, dass eigenes Verstehen sichtbar wird.

Folie «Vier Bausteine», gestapelt: 1 Prozess statt Produkt (Entwürfe, Zwischenstände, Notizen bewerten), 2 Lokaler Bezug (Eure Klasse, euer Ort, ein Erlebnis aus dem Unterricht), 3 Mündliche Verteidigung (Ein kurzes Gespräch über den eigenen Text), 4 KI-Output kritisieren (Fehler finden, verbessern).

Vier Bausteine, mit denen sich eine Aufgabe KI-robust umbauen lässt.

Vier Bausteine

1. Prozess statt Produkt. Bewerte nicht nur das Ergebnis, sondern auch Entwürfe, Zwischenstände und Notizen. Die ZHAW nennt das in ihrer Richtlinie zu KI bei Leistungsnachweisen ausdrücklich: Bewertet werden kann nicht nur das Endprodukt, sondern auch die Erarbeitungsphase, also eine Prozessbewertung.

Zitatfolie «ZHAW, Richtlinie KI bei Leistungsnachweisen»: «Mündliche Zwischengespräche, Verteidigung und Bewertung des Arbeitsprozesses.»

Auch die ZHAW-Richtlinie nennt Gespräche und die Bewertung des Arbeitsprozesses.

2. Lokaler Bezug. Verknüpfe die Aufgabe mit deiner Klasse, eurem Ort oder einem Erlebnis aus dem Unterricht. Was letzte Woche in eurem Schulzimmer diskutiert wurde, kennt keine KI. Ganz wasserdicht ist das nicht: Wer der KI den Kontext liefert, bekommt trotzdem eine Antwort. Aber die Lernenden müssen sich dafür mit dem Erlebten auseinandersetzen.

3. Mündliche Verteidigung. Ein kurzes Gespräch zeigt schnell, ob jemand den eigenen Text versteht. Die ZHAW-Richtlinie erwähnt bewertete mündliche Zwischengespräche und Verteidigungen. Laut SRF gewinnt Mündliches an Schweizer Hochschulen an Gewicht.

4. KI-Output kritisieren lassen. Die Lernenden prüfen eine KI-Antwort, finden Fehler und verbessern sie. So wird die KI vom Abkürzungsweg zum Lerngegenstand.

Die Bausteine 2 und 4 sind meine eigenen Empfehlungen aus der didaktischen Praxis. Die Bausteine 1 und 3 stützt die ZHAW-Richtlinie direkt. Die Beispiele stammen aus der Schule, die Bausteine passen aber ebenso in Weiterbildungskurse: Statt der Klasse ist es dann die Kursgruppe, statt des Schulzimmers der Kursraum oder der eigene Betrieb.

Mein Vorschlag: eine Aufgabe umbauen

Nimm die eingangs erwähnte Hausaufgabe und baue sie in drei Schritten um:

  1. Statt einer Zusammenfassung lässt du eine KI eine Zusammenfassung erstellen und gibst sie den Lernenden mit dem Auftrag: Markiere, was fehlt, was falsch ist und was du anders gewichten würdest.
  2. Statt allgemeiner Fragen verlangst du einen Bezug zu eurem Unterricht: Wo widerspricht der Text dem, was ihr in der letzten Lektion besprochen habt?
  3. Statt nur abzugeben führst du mit einigen Lernenden ein Gespräch von wenigen Minuten über ihre Korrekturen. Die Notizen aus Schritt 1 und 2 fliessen in die Bewertung ein.

Damit stecken alle vier Bausteine in einer einzigen Aufgabe. Den Aufwand steuerst du selbst: Du entscheidest, mit wie vielen Lernenden du das Gespräch führst.

KI-robust heisst nicht KI-frei

Keiner der Bausteine verbietet die KI. Sie darf mitarbeiten, beim Recherchieren, beim Formulieren, sogar als Gegenstand der Aufgabe. Entscheidend ist, dass die Denkarbeit sichtbar bei den Lernenden bleibt: im Prozess, im Bezug zum eigenen Umfeld, im Gespräch und in der kritischen Prüfung.

Merksatz in grosser Schrift: «KI-robust heisst nicht KI-frei. Das Denken bleibt bei den Lernenden.»

KI darf mitarbeiten, die Denkarbeit bleibt bei den Lernenden.

Häufige Fragen

Wie mache ich Aufgaben KI-robust?

Mit vier Bausteinen: Prozess statt Produkt bewerten, einen lokalen Bezug herstellen, eine mündliche Verteidigung einplanen und KI-Output kritisieren lassen. So bleibt das Denken bei den Lernenden, auch wenn eine KI in Reichweite ist.

Soll man KI bei Hausaufgaben verbieten?

Ein Verbot bringt wenig, weil sich kaum kontrollieren lässt, was zu Hause entsteht. Wirksamer ist es, die Aufgabe umzubauen. KI-robust heisst nicht KI-frei.

Was empfiehlt die ZHAW zu KI bei Leistungsnachweisen?

Die ZHAW-Richtlinie nennt unter anderem die Bewertung der Erarbeitungsphase, also eine Prozessbewertung, sowie bewertete mündliche Zwischengespräche und Verteidigungen.

Learning Nugget einbetten

Für Lernplattformen, Blogs und Schul-Websites. Inhalte unter CC BY 4.0.

Über den Autor

Rico Eberle

Rico Eberle ist E-Learning-Experte, Betriebsökonom FH und Gemeinderat in Dübendorf. Er präsidiert den Stiftungsrat der Stiftung Weiterbildungskurse Dübendorf (WBK). In den Learning Nuggets erklärt er Forschung zu Lernen, KI und digitaler Souveränität kurz und mit Quellen.

Text, Transkript und Video von Rico Eberle unter CC BY 4.0 (ohne Musik und Soundeffekte). Für den Unterricht frei verwendbar: Weiterverwenden und offene Daten.