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KI-Detektoren sind kein Beweis

Schon ein Prozent Fehlalarm trifft bei 1000 ehrlichen Aufsätzen zehn Lernende, und in der Praxis sind KI-Detektoren deutlich ungenauer.

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99 Prozent Genauigkeit. Klingt nach einem zuverlässigen KI-Detektor. Rechnen wir kurz nach.

Eine Schule prüft 1000 Aufsätze, die alle ehrlich geschrieben wurden. Ein Prozent Fehlalarm heisst: Zehn Lernende stehen unter Verdacht, obwohl sie nichts falsch gemacht haben. Zehn schwierige Gespräche, zehn Mal beschädigtes Vertrauen. Und das ist ein Rechenbeispiel mit einem sehr optimistischen Wert.

Denn in der Praxis sind die Detektoren deutlich schlechter. Eine Studie hat 2023 vierzehn Tools getestet. Ihr Fazit: weder genau noch zuverlässig. Eine andere Studie zeigte: Texte von Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben, werden besonders häufig als KI markiert. Und OpenAI hat seinen eigenen Detektor wieder eingestellt, wegen zu geringer Genauigkeit.

Ein Detektor-Ergebnis ist also kein Beweis. Was stattdessen hilft: den Entstehungsprozess sichtbar machen, mit Entwürfen und Notizen. Das Gespräch über den Text suchen. Und Aufgaben so stellen, dass eigenes Denken gefragt ist.

Vertrauen entsteht nicht durch Software, sondern durch gute Aufgaben.

99 Prozent Genauigkeit. Das klingt nach einem zuverlässigen KI-Detektor. Der Wunsch nach einem Werkzeug, das auf Knopfdruck sagt «Das war die KI», ist verständlich, und Anbieter werben mit genau solchen Zahlen. Rechnen wir trotzdem kurz nach.

Ein Prozent klingt wenig, bis man nachrechnet

Eine Schule lässt 1000 Aufsätze prüfen. Alle sind ehrlich geschrieben. Ein Prozent Fehlalarm heisst: Zehn Lernende stehen unter Verdacht, obwohl sie nichts falsch gemacht haben.

Folie «1000 ehrliche Aufsätze»: ein Raster aus 1000 Punkten, zehn davon rot markiert. Daneben «1 % Fehlalarm = 10 falsche Verdächtigungen» und der Hinweis «Rechenbeispiel mit optimistischem Wert».

Die Fehlalarme wachsen mit der Menge. Je mehr Texte geprüft werden, desto mehr Unschuldige trifft es, auch wenn der Prozentsatz gleich bleibt. Jeder Fall ist ein schwieriges Gespräch, in dem Vertrauen auf dem Spiel steht.

Und 99 Prozent ist ein bewusst optimistischer Wert.

In der Praxis sind die Tools schlechter

Eine Forschungsgruppe um Weber-Wulff hat 2023 vierzehn Detektoren getestet. Ihr Fazit: Die Tools sind weder genau noch zuverlässig.

Folie «In der Praxis schlechter» mit drei Karten: «14 Tools getestet: ‹weder genau noch zuverlässig›» (Weber-Wulff et al., 2023), «Nicht in der Muttersprache geschrieben: besonders oft als KI markiert» (Liang et al., 2023), «OpenAI: eigenen Detektor eingestellt» (OpenAI, 2023).

Eine zweite Studie von Liang und Kollegen zeigt ein Fairness-Problem. Englische Texte von Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben, werden besonders häufig als KI markiert. Untersucht wurden englische Aufsätze, unter anderem aus dem Sprachtest TOEFL. Ob das für Deutsch als Zweitsprache genauso gilt, sagt die Studie nicht; im Video ist das verkürzt.

Die Forschenden vermuten, dass die Detektoren Menschen mit eingeschränkterem sprachlichem Ausdruck unbeabsichtigt benachteiligen. Sie raten ausdrücklich davon ab, solche Werkzeuge in Bewertungs- und Bildungssituationen einzusetzen.

OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat seinen eigenen Detektor im Juli 2023 wieder eingestellt. Der Grund: zu geringe Genauigkeit.

Ein Anlass zum Hinschauen, kein Beweis

Ein Detektor-Ergebnis kann höchstens ein Anlass sein, genauer hinzuschauen. Im Alltag bringt anderes mehr. Im Video empfehle ich drei Wege:

  1. Den Entstehungsprozess sichtbar machen. Entwürfe, Notizen und Zwischenstände gehören zur Abgabe. Wer einen Text selbst entwickelt hat, kann diesen Weg zeigen.
  2. Das Gespräch über den Text suchen. Kein Verhör, sondern Teil der Beurteilung: Warum dieser Aufbau? Was war schwierig?
  3. Aufgaben so stellen, dass eigenes Denken gefragt ist. Zum Beispiel mit Bezug auf den eigenen Unterricht, eigene Erfahrungen oder eine begründete Entscheidung.

Folie «Kein Beweis. Was stattdessen hilft»: 1. Entstehungsprozess sichtbar machen: Entwürfe, Notizen. 2. Das Gespräch über den Text suchen. 3. Aufgaben stellen, die eigenes Denken verlangen.

Die Rechnung fürs eigene Kollegium

Die Rechnung oben lässt sich in jeder Teamsitzung machen. Wie viele schriftliche Arbeiten werden an eurer Schule pro Semester abgegeben? Davon ein Prozent, also der optimistische Wert. Das Ergebnis ist die Zahl der Gespräche mit ehrlichen Lernenden, die ihr führen müsstet.

Danach lohnt sich die Frage, welche Aufgaben in eurem Alltag einen Detektor überflüssig machen würden.

Vertrauen entsteht nicht durch Software, sondern durch gute Aufgaben.

Häufige Fragen

Wie zuverlässig sind KI-Detektoren?

Wenig. Eine Forschungsgruppe um Weber-Wulff testete 2023 vierzehn Detektoren und kam zum Schluss, dass sie weder genau noch zuverlässig sind. OpenAI hat seinen eigenen Detektor im Juli 2023 wegen zu geringer Genauigkeit eingestellt.

Ist das Ergebnis eines KI-Detektors ein Beweis?

Nein, höchstens ein Anlass, genauer hinzuschauen. Selbst bei optimistischen 99 Prozent Genauigkeit stünden von 1000 ehrlich geschriebenen Aufsätzen zehn Lernende zu Unrecht unter Verdacht.

Benachteiligen KI-Detektoren Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben?

Für englische Texte ja: Laut einer Studie von Liang und Kollegen (2023) werden englische Texte von Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben, besonders häufig als KI markiert. Für Deutsch als Zweitsprache hat die Studie das nicht untersucht. Die Forschenden raten davon ab, Detektoren in Bewertungs- und Bildungssituationen einzusetzen.

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