Rico EberleDübendorf, zur Startseite

Mischen statt blocken: dreimal besser im Test

Gemischtes Üben fühlt sich schwerer an als Üben am Stück, wirkt aber länger: Eine Woche später lag die gemischte Gruppe bei 63 statt 20 Prozent.

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Zwei Gruppen üben gleich lang, mit denselben Aufgaben. Eine Woche später schneidet die eine dreimal besser ab. Was war anders?

Nur die Reihenfolge. Gruppe A übt am Stück: zuerst alle Aufgaben vom ersten Typ, dann alle vom zweiten. Gruppe B übt gemischt.

Rate kurz: Welche Gruppe gewinnt?

Gruppe B. In einer Studie von Doug Rohrer erreichte die gemischte Gruppe 63 Prozent, die geblockte nur 20. Und das Verrückte: Beim Üben war es umgekehrt. Da lag die geblockte Gruppe klar vorne. Mischen fühlt sich schwerer an, wirkt aber länger.

Auch Erwachsene schätzen das falsch ein. In einem Versuch hielten drei Viertel das Blocken für mindestens gleich gut, obwohl sie gemischt mehr gelernt hatten. Und ältere Erwachsene profitierten genauso.

Für Weiterbildungen heisst das: Übungen mischen. Im Buchhaltungskurs zum Beispiel Buchungssätze verschiedener Geschäftsfälle durcheinander statt Kapitel für Kapitel. Und den Teilnehmenden erklären, warum es sich schwerer anfühlt.

Schwer heisst nicht schlecht.

63 zu 20 Prozent. So weit lagen zwei Gruppen eine Woche nach dem Üben auseinander. Beide hatten gleich lang geübt, mit denselben Aufgaben. Anders war nur die Reihenfolge.

Das Experiment

Doug Rohrer und Kelli Taylor haben 2007 Studierende lernen lassen, wie man das Volumen verschiedener Körper berechnet. Alle bekamen dieselben Aufgaben und gleich viel Zeit. Unterschiedlich war nur die Anordnung:

  • Geblockt: zuerst alle Aufgaben zum ersten Körper, dann alle zum zweiten, und so weiter.
  • Gemischt: dieselben Aufgaben, aber durcheinander.

Balkendiagramm «Test nach einer Woche»: geblockt 20 %, gemischt 63 %.

Eine Woche später lösten die Studierenden aus der gemischten Gruppe 63 Prozent der Testaufgaben richtig, jene aus der geblockten Gruppe nur 20 Prozent. Das ist gut dreimal so viel.

Beim Üben war es umgekehrt

Während des Übens lag die geblockte Gruppe mit 89 Prozent richtigen Lösungen klar vor der gemischten mit 60 Prozent. Das ist das Verrückte daran.

Wer am Stück übt, wendet immer wieder dasselbe Verfahren an und wird schnell sicher. Wer gemischt übt, muss bei jeder Aufgabe zuerst erkennen, welches Verfahren passt. Das ist anstrengender. Und diese Unterscheidung braucht es später im Test.

Balkendiagramm «Beim Üben: umgekehrt»: geblockt 89 %, gemischt 60 %. Darunter: «Mischen fühlt sich schwerer an, wirkt aber länger.»

Mischen fühlt sich schwerer an, wirkt aber länger.

Das Gefühl täuscht auch Erwachsene

Nate Kornell und Robert Bjork haben 2008 Erwachsene Malstile verschiedener Künstler lernen lassen, einmal geblockt, einmal gemischt. Gemischt lernten die meisten mehr. Trotzdem hielten 78 Prozent das Blocken für gleich gut oder besser, also gut drei Viertel. Das Gefühl beim Üben ist ein schlechter Ratgeber dafür, was hängen bleibt.

Folie «Auch Erwachsene täuschen sich»: grosse Zahl «78 %» hielten Blocken für mindestens gleich gut, obwohl sie gemischt mehr gelernt hatten. Darunter: «Ältere Erwachsene profitieren genauso.»

Genauer als die Folie: Ältere Erwachsene profitieren laut der Folgestudie ähnlich wie jüngere.

Eine Folgestudie von Kornell, Castel, Eich und Bjork aus dem Jahr 2010 zeigte zudem, dass ältere Erwachsene vom Mischen ähnlich profitieren wie jüngere. Für die Weiterbildung ist das eine gute Nachricht.

Übungen mischen und sagen, warum

Besonders wirksam ist das Mischen bei Aufgabentypen, die sich ähneln und leicht verwechselt werden. Im Buchhaltungskurs zum Beispiel Buchungssätze verschiedener Geschäftsfälle durcheinander üben statt Kapitel für Kapitel. Das Beispiel ist meine Übertragung; die Studien stammen aus Mathematik und Kunst.

Wer gemischt übt, macht anfangs mehr Fehler. Ohne Erklärung wirkt das wie ein schlechter Kurs. Mit Erklärung wird es ein nützliches Signal: Hier passiert gerade Lernen.

Ein einfacher Anfang ist das nächste Übungsblatt. Sind die Aufgaben nach Thema sortiert, lässt sich die zweite Hälfte mischen. Die erste darf geblockt bleiben, damit die Teilnehmenden das Verfahren kennenlernen. Danach folgt das Unterscheiden.

Schwer heisst nicht schlecht.

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