Rico EberleDübendorf, zur Startseite

Die 4 D: Aus einem KI-Werkzeug wird eine Kompetenz

Delegation, Description, Discernment, Diligence: vier Fragen, die du dir vor, während und nach jedem KI-Einsatz im Unterricht stellen kannst.

Read in English

Auch auf YouTube (neues Fenster)

Transkript anzeigen

KI schreibt dir in zehn Sekunden eine ganze Prüfung. Die Frage ist nur: Solltest du sie so verwenden?

Viele von uns arbeiten mit KI nach dem Prinzip Hoffnung. Prompt rein, Ergebnis raus, fertig. Das spart Zeit, bis die erste falsche Musterlösung im Umlauf ist. Was fehlt, ist kein besseres Tool, sondern ein Kompetenzmodell. Eines davon heisst: die vier D.

Das erste D: Delegation. Entscheide bewusst, was die KI übernimmt und was bei dir bleibt. Übungsfragen zu einem Text vorschlagen? Gerne. Die Bewertung einer Abschlussarbeit? Bleibt bei dir.

Das zweite D: Description, also Beschreibung. Die KI kennt deine Klasse nicht. Sag ihr, wer lernt, was das Lernziel ist und wie das Ergebnis aussehen soll. Je klarer der Auftrag, desto brauchbarer die Antwort.

Das dritte D: Discernment, also Urteilsvermögen. Prüfe jedes Ergebnis kritisch. Stimmt der Inhalt? Passt das Niveau? Gefährlich wird KI nicht, wenn sie oft danebenliegt, sondern wenn sie fast immer recht hat und wir aufhören zu prüfen.

Das vierte D: Diligence, also Sorgfalt. Du trägst die Verantwortung für das, was du einsetzt. Das heisst: keine Personendaten von Lernenden in fremde Tools. Und offenlegen, wo KI mitgearbeitet hat.

Delegation, Description, Discernment, Diligence. Vier Fragen, die du dir vor, während und nach jedem KI-Einsatz stellst. So wird aus einem Werkzeug eine Kompetenz, für dich und für deine Lernenden.

KI schreibt dir in zehn Sekunden eine ganze Prüfung. Das ist beeindruckend, beantwortet aber die wichtigere Frage nicht: Solltest du sie so verwenden? Viele von uns arbeiten mit KI nach dem Prinzip Hoffnung. Prompt rein, Ergebnis raus, fertig. Das spart Zeit, bis die erste falsche Musterlösung im Umlauf ist.

Was dabei fehlt, ist selten ein besseres Tool. Es fehlt ein Kompetenzmodell, also eine Vorstellung davon, was gute Arbeit mit KI ausmacht. Eines davon sind die vier D.

Woher die vier D kommen

Die vier D stammen aus dem AI Fluency Framework von Rick Dakan (Ringling College of Art and Design) und Joseph Feller (University College Cork), entwickelt in Zusammenarbeit mit Anthropic. Das Framework versteht AI Fluency als die Fähigkeit, wirksam, effizient, ethisch und sicher mit KI zu arbeiten. Dazu gehören frei zugängliche Kurse, unter anderem für Lehrpersonen.

Übersicht der vier D in vier Kästen: D1 Delegation, D2 Description, D3 Discernment, D4 Diligence. Darunter «vor · während · nach jedem KI-Einsatz» und der Satz «Aus einem Werkzeug wird eine Kompetenz.»

Die vier D begleiten jeden KI-Einsatz: vorher, währenddessen und danach.

Die vier D im Überblick

Delegation: bewusst übergeben. Entscheide, was die KI übernimmt und was bei dir bleibt. Übungsfragen zu einem Text vorschlagen? Gerne. Die Bewertung einer Abschlussarbeit bleibt bei dir.

Folie «D1 Delegation – bewusst übergeben». Links eine Karte «KI übernimmt: Übungsfragen zu einem Text vorschlagen», rechts «Bleibt bei dir: Bewertung einer Abschlussarbeit». Oben die Reiter D1 bis D4.

Delegation: Die KI darf Übungsfragen vorschlagen, die Bewertung einer Abschlussarbeit bleibt bei dir.

Description: klar beschreiben. Die KI kennt deine Klasse nicht. Sag ihr, wer lernt, was das Lernziel ist und wie das Ergebnis aussehen soll. Je klarer der Auftrag, desto brauchbarer die Antwort.

Discernment: kritisch prüfen. Stimmt der Inhalt? Passt das Niveau? Gefährlich wird KI nicht, wenn sie oft danebenliegt, sondern wenn sie fast immer recht hat und wir aufhören zu prüfen.

Diligence: Verantwortung tragen. Du bist verantwortlich für das, was du einsetzt. Das heisst: keine Personendaten von Lernenden in fremde Tools. Und offenlegen, wo KI mitgearbeitet hat.

Ein Beispiel: Übungsfragen zu einem Sachtext

Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel aus dem Video. Die Ausgestaltung der einzelnen Schritte ist mein Vorschlag:

  • Delegation: Die KI schlägt Übungsfragen vor. Welche davon in die Lektion kommen, entscheidest du.
  • Description: «Sek II, 2. Jahr, Deutsch als Zweitsprache. Lernziel: Argumente eines Sachtexts erkennen. Ergebnis: fünf Fragen mit Musterlösung, maximal eine Seite.»
  • Discernment: Du gehst jede Musterlösung durch. Stimmt sie inhaltlich? Passt die Sprache zu dieser Klasse?
  • Diligence: Im Auftrag stehen keine Namen oder Daten deiner Lernenden, und auf dem Arbeitsblatt steht, dass die Fragen mit KI-Unterstützung entstanden sind.

Folie «D2 Description – klar beschreiben» mit einem Auftrag an die KI: Wer lernt? Sek II, 2. Jahr, Deutsch als Zweitsprache. Lernziel? Argumente eines Sachtexts erkennen. Ergebnis? 5 Fragen mit Musterlösung, max. 1 Seite. Darunter: «Klarer Auftrag → brauchbare Antwort».

Ein klarer Auftrag nennt Zielgruppe, Lernziel und erwartetes Ergebnis.

Eine Übung für dich

Mein Vorschlag für die nächste Vorbereitungsstunde: Nimm die letzte Unterlage, die du mit KI erstellt hast, und geh sie mit vier Fragen durch.

  1. Was habe ich übergeben? Hätte etwas davon bei mir bleiben sollen?
  2. Wusste die KI genug? Wer lernt, was ist das Ziel, wie soll das Ergebnis aussehen?
  3. Habe ich geprüft oder nur überflogen? Inhalt und Niveau, Satz für Satz.
  4. Wo liegt meine Verantwortung? Sind Daten von Lernenden ins Tool gelangt? Ist offengelegt, wo KI mitgearbeitet hat?

Das D, bei dem du am längsten zögerst, ist meist das, bei dem sich Üben lohnt.

Vier Fragen vor, während und nach jedem KI-Einsatz. So wird aus einem Werkzeug eine Kompetenz, für dich und für deine Lernenden.

Häufige Fragen

Was ist AI Fluency?

Das AI Fluency Framework von Rick Dakan und Joseph Feller, entwickelt in Zusammenarbeit mit Anthropic, versteht darunter die Fähigkeit, wirksam, effizient, ethisch und sicher mit KI zu arbeiten. Ein Teil davon sind die vier D.

Was bedeuten die vier D?

Delegation heisst bewusst übergeben, Description klar beschreiben, Discernment kritisch prüfen und Diligence Verantwortung tragen. Zur Sorgfalt gehört, keine Personendaten von Lernenden in fremde Tools zu geben und offenzulegen, wo KI mitgearbeitet hat.

Learning Nugget einbetten

Für Lernplattformen, Blogs und Schul-Websites. Inhalte unter CC BY 4.0.

Über den Autor

Rico Eberle

Rico Eberle ist E-Learning-Experte, Betriebsökonom FH und Gemeinderat in Dübendorf. Er präsidiert den Stiftungsrat der Stiftung Weiterbildungskurse Dübendorf (WBK). In den Learning Nuggets erklärt er Forschung zu Lernen, KI und digitaler Souveränität kurz und mit Quellen.

Text, Transkript und Video von Rico Eberle unter CC BY 4.0 (ohne Musik und Soundeffekte). Für den Unterricht frei verwendbar: Weiterverwenden und offene Daten.