KI schreibt dir in zehn Sekunden eine ganze Prüfung. Die Frage ist nur: Solltest du sie so verwenden?
Viele von uns arbeiten mit KI nach dem Prinzip Hoffnung. Prompt rein, Ergebnis raus, fertig. Das spart Zeit, bis die erste falsche Musterlösung im Umlauf ist.
Was fehlt, ist selten ein besseres Tool. Es fehlt ein Kompetenzmodell, also eine Vorstellung davon, was gute Arbeit mit KI ausmacht. Eines davon sind die vier D.
Woher die vier D kommen
Die vier D stammen aus dem AI Fluency Framework von Rick Dakan (Ringling College of Art and Design) und Joseph Feller (University College Cork), entwickelt in Zusammenarbeit mit Anthropic. Das Framework versteht AI Fluency als die Fähigkeit, wirksam, effizient, ethisch und sicher mit KI zu arbeiten. Dazu gehören frei zugängliche Kurse, unter anderem für Lehrpersonen.

Die vier D im Überblick
Delegation: bewusst übergeben. Entscheide, was die KI übernimmt und was bei dir bleibt. Übungsfragen zu einem Text vorschlagen? Gerne. Die Bewertung einer Abschlussarbeit bleibt bei dir.

Description: klar beschreiben. Die KI kennt deine Klasse nicht. Sag ihr, wer lernt, was das Lernziel ist und wie das Ergebnis aussehen soll. Je klarer der Auftrag, desto brauchbarer die Antwort.
Discernment: kritisch prüfen. Stimmt der Inhalt? Passt das Niveau? Gefährlich wird KI nicht, wenn sie oft danebenliegt, sondern wenn sie fast immer recht hat und wir aufhören zu prüfen.
Diligence: Verantwortung tragen. Du bist verantwortlich für das, was du einsetzt. Das heisst: keine Personendaten von Lernenden in fremde Tools. Und offenlegen, wo KI mitgearbeitet hat.
Übungsfragen zu einem Sachtext
So kann das konkret aussehen, am Beispiel aus dem Video. Die Ausgestaltung der einzelnen Schritte ist mein Vorschlag:
- Delegation: Die KI schlägt Übungsfragen vor. Welche davon in die Lektion kommen, entscheidest du.
- Description: «Sek II, 2. Jahr, Deutsch als Zweitsprache. Lernziel: Argumente eines Sachtexts erkennen. Ergebnis: fünf Fragen mit Musterlösung, maximal eine Seite.»
- Discernment: Du gehst jede Musterlösung durch. Stimmt sie inhaltlich? Passt die Sprache zu dieser Klasse?
- Diligence: Im Auftrag stehen keine Namen oder Daten deiner Lernenden, und auf dem Arbeitsblatt steht, dass die Fragen mit KI-Unterstützung entstanden sind.

Die letzte KI-Unterlage, nochmals geprüft
Für die nächste Vorbereitungsstunde: Nimm die letzte Unterlage, die du mit KI erstellt hast, und geh sie mit vier Fragen durch.
- Was habe ich übergeben? Hätte etwas davon bei mir bleiben sollen?
- Wusste die KI genug? Wer lernt, was ist das Ziel, wie soll das Ergebnis aussehen?
- Habe ich geprüft oder nur überflogen? Inhalt und Niveau, Satz für Satz.
- Wo liegt meine Verantwortung? Sind Daten von Lernenden ins Tool gelangt? Ist offengelegt, wo KI mitgearbeitet hat?
Das D, bei dem du am längsten zögerst, ist meist das, bei dem sich Üben lohnt.
Vier Fragen vor, während und nach jedem KI-Einsatz. So wird aus einem Werkzeug eine Kompetenz, für dich und für deine Lernenden.
