Viele digitale Werkzeuge kosten Schulen nichts. Google bietet Workspace for Education Fundamentals berechtigten Bildungseinrichtungen kostenlos an, Microsoft das Paket Office 365 A1 mit den Web-Apps. Das ist bequem und senkt die Hürde für den Einstieg. Die Frage ist, was nach dem Einstieg kommt.
Drei Akten, selten mit Absicht
Das Video beschreibt Lock-in als Ablauf in drei Akten. Das Modell ist eine vereinfachte eigene Darstellung, keine wissenschaftliche Einteilung.
- Einstieg. Das Tool ist kostenlos, schnell eingerichtet, alle können sofort loslegen. Kaum jemand sagt da Nein.
- Gewöhnung. Nach ein paar Jahren stecken Unterlagen, Abläufe und Routinen im Tool. Lehrpersonen und Lernende kennen es. Ein Wechsel wäre plötzlich ein eigenes Projekt.
- Abhängigkeit. Jetzt bestimmt der Anbieter die Bedingungen.
Wichtig ist der erste Satz: Lock-in passiert selten mit Absicht. Niemand entscheidet sich bewusst für eine Abhängigkeit. Sie entsteht aus vielen kleinen, jeweils vernünftigen Schritten.
Ein Beispiel aus 2025
Microsoft bot Schulen mit Office 365 A1 Plus ein Gratis-Paket an, das auch die Desktop-Programme enthielt. Laut Microsoft laufen alle bestehenden A1-Plus-Lizenzen im Jahr 2025 aus. Als Optionen nennt Microsoft den Wechsel in die kostenpflichtigen Pakete A3 oder A5 oder das kostenlose A1, das nur die Web-Versionen umfasst.

Der dritte Akt: Das Gratis-Paket läuft aus, weiter geht es nur im Bezahlpaket.
Matthias Stürmer von der Berner Fachhochschule hat sich 2024 in einem Interview zur digitalen Souveränität allgemein zur Marktmacht grosser Anbieter geäussert. Er sagt, Firmen wie Microsoft oder SAP könnten heute «praktisch beliebig die Preise bestimmen».
Drei Fragen vor jeder Einführung
Das Video schlägt drei Fragen vor, bevor ein neues Tool eingeführt wird:
- Was kostet es in fünf Jahren, nicht im ersten?
- Kommen wir mit unseren Daten in einem offenen Format wieder raus?
- Wer im Haus versteht das System, falls wir wechseln müssen?

Drei Fragen, die vor jedem neuen Tool geklärt sein sollten.
Die erste Frage zielt auf den Einstieg, die zweite auf die Gewöhnung, die dritte auf die Abhängigkeit. Wer alle drei beantworten kann, bevor das Tool läuft, hat im dritten Akt mehr Spielraum.
Mein Vorschlag zum Ausprobieren
Nimm ein Tool, das an deiner Schule oder in deiner Organisation schon seit ein paar Jahren läuft, und mach einen kleinen Exporttest: Lade einen echten Kurs, einen Ordner oder eine Sammlung von Unterlagen herunter und öffne sie in einem anderen Programm. Notiere, was dabei verloren geht, zum Beispiel Struktur, Kommentare oder Bewertungen.
Danach gehst du die drei Fragen für dieses Tool durch. Wo du keine Antwort hast, weisst du, wo der dritte Akt schon begonnen haben könnte. Für neue Tools lohnt es sich, den gleichen Test vor der Einführung zu machen, solange ein Wechsel noch nichts kostet.
Meine Sicht
Gratis ist ein Einstiegspreis, kein Versprechen. Darum gehören vor jede Einführung die drei Fragen: nach den Kosten in fünf Jahren, nach dem Weg hinaus in einem offenen Format und nach dem Wissen im eigenen Haus.

Ein Gratis-Angebot sagt nichts über die Kosten in einigen Jahren.
Häufige Fragen
Was ist ein Lock-in bei Software?
Eine Abhängigkeit von einem Anbieter, aus der ein Wechsel aufwendig wird. Der Beitrag beschreibt sie in drei Akten: Einstieg mit einem kostenlosen Tool, Gewöhnung, weil Unterlagen und Abläufe im Tool stecken, und Abhängigkeit, in der der Anbieter die Bedingungen bestimmt.
Was passiert mit Office 365 A1 Plus für Schulen?
Laut Microsoft laufen alle bestehenden A1-Plus-Lizenzen im Jahr 2025 aus. Als Optionen nennt Microsoft die kostenpflichtigen Pakete A3 oder A5 oder das kostenlose A1, das nur die Web-Versionen umfasst.
Welche Fragen helfen vor der Einführung eines Tools?
Der Beitrag schlägt drei vor: Was kostet es in fünf Jahren, nicht im ersten? Kommen wir mit unseren Daten in einem offenen Format wieder raus? Wer im Haus versteht das System, falls wir wechseln müssen?
Quellen
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