94 Wörter auf einer Folie. Wie viele davon bleiben hängen?
Folien wie die im Video kennst du wahrscheinlich aus Weiterbildungen und Sitzungen: ein Titel, sechs Aufzählungspunkte. Gut gemeint, denn alles Wichtige steht drauf. Nur liest dein Publikum, während du sprichst. Und beides gleichzeitig geht schlechter, als wir denken.
Das Nadelöhr heisst Arbeitsgedächtnis
Die Cognitive Load Theory geht auf John Sweller zurück. Unser Arbeitsgedächtnis ist eng begrenzt. Was wir neu verstehen wollen, muss durch dieses Nadelöhr.

Wer zuhört und gleichzeitig eine volle Folie liest, schickt zwei Sprachströme hindurch. Mayer und Moreno beschreiben 2003, dass diese Doppelung eine zusätzliche, unnötige Belastung erzeugt. Die Aufmerksamkeit fehlt dann fürs Verstehen.
Was du sagst, muss nicht nochmals auf die Folie
Richard Mayer hat die Forschung dazu 2017 in Gestaltungsregeln für E-Learning übersetzt. Zwei davon passen direkt auf Folien:
- Redundanzprinzip: Menschen lernen besser aus Bild und gesprochenem Wort als aus Bild, gesprochenem Wort und demselben Text auf dem Bildschirm. Mayer formuliert es als Regel: Zu einer vertonten Grafik keinen Bildschirmtext hinzufügen.
- Kohärenzprinzip: Alles, was nicht zum Lernziel beiträgt, lenkt ab. Also überflüssiges Material weglassen.

Text auf Folien ist damit nicht verboten. Aber Text, der nur wiederholt, was du ohnehin sagst, stört mehr, als er hilft.
Und die Untertitel in diesem Video?
Berechtigte Frage, denn auch die Nuggets zeigen Text zur Stimme. Das Redundanzprinzip bezieht sich auf Lernsituationen mit Ton, etwa vorgelesene Folien. Ich habe mich trotzdem für Untertitel entschieden. Sie machen ein kurzes Video auch ohne Ton verständlich und helfen bei einer Fremdsprache oder einer Hörbeeinträchtigung.
Drei Dinge für deine nächste Präsentation
- Eine Aussage pro Folie, als kurzer Satz.
- Ein Bild oder Schema statt Aufzählung.
- Was du sagst, muss nicht auf der Folie stehen. Die Details gehören ins Handout.
Die vollste Folie zuerst
Nimm deine letzte Präsentation und such die vollste Folie. Zähl die Wörter. Dann schreib die eine Aussage, die hängen bleiben soll, als einzigen Satz auf eine neue Folie. Überleg dir ein Bild oder Schema, das diese Aussage zeigt. Alles andere wandert in die Notizen für deinen Vortrag oder ins Handout.
Beim nächsten Vortrag lohnt sich ein Blick ins Publikum. Schaut es zu dir oder auf die Leinwand?

Weniger Text heisst nicht weniger Inhalt, sondern mehr Platz zum Denken.
