Rico EberleDübendorf, zur Startseite

Mein Votum zur digitalen Souveränität in Dübendorf

Dübendorf kennt jetzt seine digitalen Abhängigkeiten, mein Votum im Gemeinderat vom 7. September 2026 im Wortlaut und was als Nächstes kommt.

46 Applikationen, fünf davon mit amerikanischer Jurisdiktion. So sieht die Bestandsaufnahme aus, die der Stadtrat von Dübendorf auf ein Postulat hin erstellt hat. Am 7. September 2026 hat der Gemeinderat das Postulat abgeschrieben. Für die Fraktion glp/GEU habe ich dazu gesprochen.

Worum es ging

Rafa Tajouri (FDP) und zehn Mitunterzeichnende haben im Dezember 2025 ein Postulat zur Förderung der digitalen Souveränität eingereicht. Es verlangte vier Dinge: eine Bestandsaufnahme der Software und Cloud-Dienste der Stadt, eine Stellungnahme zum Netzwerk «Souveräne Digitale Schweiz», eine Einschätzung, ob es eine Strategie braucht, und Wege, wie Dübendorf beitragen kann. Dazu mindestens zweimal pro Legislatur einen Bericht. Der Stadtrat hat im Juli 2026 geantwortet.

Als der Gemeinderat im Februar 2026 über das Postulat beraten hat, war unsere Fraktion gespalten. Ein Teil sah das Thema vor allem bei Kanton und Bund. Ich gehörte zu denen, die auch in der Gemeinde Spielraum sehen, weil die Beschaffungsentscheide hier fallen. Damals habe ich eine Bestandsaufnahme vorgeschlagen. Sie liegt jetzt vor.

Mein Votum im Wortlaut

Geschätzter Gemeinderatspräsident, geschätzte Mitglieder des Stadtrats, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, geschätztes Publikum

Vor einigen Tagen hat die Bundeskanzlei bekanntgegeben, dass sie für 3000 Mitarbeitende einen Arbeitsplatz auf Open-Source-Basis aufbaut. Pilot ab Ende 2027, rund 9 Millionen Franken für die erste Phase, gedacht für kritische Geschäftsprozesse. Derselbe Bund hat im Dezember die Einführung von Microsoft 365 auf 54 000 Arbeitsplätzen abgeschlossen und hält seither besonders schützenswerte Daten mit einem Labeling-Verfahren aus dieser Cloud heraus. Im Kantonsrat sind zwei Postulate für eine Souveränitätsstrategie hängig, die Stadt Zürich testet openDesk. Wir sind mit diesem Thema also nicht früh dran. Wir sind im Takt.

Ich danke dem Stadtrat und der Verwaltung für die Beantwortung. Es liegt eine echte Bestandsaufnahme vor: 46 Applikationen, davon fünf mit amerikanischer Jurisdiktion, der Rechtsverkehr durchgehend schweizerisch. Damit lässt sich arbeiten. Der Auftrag des Postulats ist erfüllt, wir stimmen der Abschreibung zu.

Drei Punkte möchte ich trotzdem anbringen, weil sie über die heutige Antwort hinausgehen:

Bei den Fachanwendungen ist der Spielraum klein, das ist so. Grösser ist er dort, wohin das Postulat ebenfalls zielt: Bürosoftware, Cloud-Dienste, Browser, Suche und immer mehr KI-Anwendungen. Da entscheidet sich, wie abhängig wir in fünf oder zehn Jahren sind.

Eine Strategie brauchen wir aus meiner Sicht trotzdem. Ich meine damit keinen weiteren Bericht, sondern drei Fragen, die bei jeder Beschaffung mitlaufen: Sind die Formate offen? Kommen wir jederzeit an unsere Daten? Was kostet der Ausstieg? Abhängigkeit entsteht selten durch einen grossen Entscheid. Sie entsteht durch viele kleine, die für sich genommen vernünftig waren. Unsere Migration in die Microsoft-Cloud heisst Phase 1. Bei Phase 2 zählen diese Fragen.

Konkret werden könnten wir schon jetzt. Der egovpartner-Proof-of-Concept zu openDesk läuft ab dieser Jahreshälfte mit zwei bis drei Gemeinden, und wir haben in der Fachsektion ICT einen Vorstandssitz. Mitmachen hiesse Erfahrung sammeln, ohne sich festzulegen. Und die Berichterstattung mit Kostenausweis, die das Postulat verlangt hat, wäre ohne grossen Aufwand zu haben.

Dass es dafür weitere Vorstösse braucht, ist kein schlechtes Zeichen. Digitale Souveränität beschäftigt uns auf allen Ebenen, beim Bund, beim Kanton und hier bei uns. Unser Hebel in Dübendorf ist der Beschaffungsentscheid. Alles andere ist Absichtserklärung.

Die Bestandsaufnahme ist dafür eine gute Grundlage, und damit steht Dübendorf besser da als viele vergleichbare Gemeinden. Herzlichen Dank an den Stadtrat und die Verwaltung für die geleistete Arbeit. Die Fraktion glp/GEU stimmt der Abschreibung des Postulates zu.

Warum drei Fragen statt einer Strategie

Ein Strategiepapier liest man einmal. Drei Fragen bei jeder Beschaffung wirken jedes Mal. Sie kosten wenig, und sie zwingen dazu, den Ausstieg schon beim Einstieg mitzudenken. Wie das im Kleinen abläuft, zeigt der Beitrag Lock-in in drei Akten. Warum der Speicherort allein nicht reicht, steht in Gespeichert in der Schweiz ist nur die halbe Antwort.

Was als Nächstes kommt

Die Microsoft-Migration der Stadt läuft, sie ist Phase 1. Bei Phase 2 zählen die drei Fragen.

Unser Hebel in Dübendorf ist der Beschaffungsentscheid. Alles andere ist Absichtserklärung.